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1691
09.04. bis 17.04.2017
Andrey Klassen

 

 

Vernissage:  Samstag, 08.04.2017 um 19 Uhr

 

 


© Andrey Klassen                                                Schutz, 2017, Tusche und Acryl auf Papier, 121 x 87,5 cm

 

 

Geheimnisvolle Räume laden dazu ein, sich mit dem Blick in ihnen zu verirren. Perspektiven erscheinen rätselhaft miteinander verschränkt. Schatten und Figuren lassen sich zum Teil kaum voneinander unterscheiden. Sie erwachsen aus amorphen Flecken und treten daneben bis ins Detail ausgearbeitet wesenhaft hervor. Sie bevölkern diese Welten, die in ihrer Reduktion auf das Schwarzweiß der Tusche, alle denkbaren Abstufungen und Qualitäten bietet. Zwischen lichtweiß belassenen und tief schwarz verdichteten Partien spannt sich eine Fülle an Farben. Andrey Klassen gelingt es, durch belebte Grauwerte seinen Bildern einen atmosphärischen Eindruck zu geben. Man meint, unter einem dichten Blätterdach gedämpftes Sonnenlicht durchscheinen zu sehen. Ohne weitere Farben beginnen seine mit schwarzer Tusche gemalten Bilder zu blühen und zu duften wie Rosen.

 

Das Geschehen taucht wie aus unbestimmten Träumen und fernen Erinnerungen auf und bleibt fremd und vertraut zugleich. Klassens Malerei bietet damit auch einen Blick in die Möglichkeiten der Konstitution von Erzählungen, mit Motiven und Gesten. Sie haben eine Präsenz, die vor ihrer Zuordnung an ein bestimmtes Geschehen liegt – vorikonographisch. So wie einige Figuren bei ihm nur bis zu einem Grad Gestalt annehmen, bei dem immer noch ihre Herkunft aus abstrakten malerischen Formen spürbar bleibt, hält sich auch die Erzählung zurück oder sie schießt darüber hinaus ins Absurde. Manche Wesen oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion. Sie schwanken zwischen konkreter Gestalt und verschwimmendem Bild. Die Individualität von Klassens Protagonisten entsteht nicht aus porträthaften Gesichtszügen sondern aus ihrer eigenwilligen Form, die zum Teil karikaturhaft übersteigert ist. Zentrale Figuren seiner Kompositionen erscheinen oft ohne Gesicht, als wäre in einem alten Spiegel diese Stelle so vollkommen blind geworden, dass sie verwaschen und grau erscheint.


Das gilt insbesondere für die zentrale Figur seines Werks „Gärtner“: Im Mittelpunkt des Geschehens, und doch teilweise nur angedeutet, steht ein Mann mit weißem Hemd und seriöser Jacke, die dennoch Arbeitskittel oder Jackett sein kann. Ist seine rechte Hand in einen schwarzen Handschuh gehüllt, so greift seine linke zart in die Rosen. Sein Gesicht ist verschwunden, als wäre es auf unerklärbare Weise verrutscht und so wirkt er mehr wie ein Phantom. Dieses Spiel mit der Wirklichkeit setzt Klassen auch in seiner Darstellung der Rosen fort, bei denen man den Eindruck bekommt, sie seien auf Vorhänge oder Theaterprospekte gemalt. Der Gärtner selbst erscheint gespiegelt auf einem aufgefächerten Bildfeld rechts von ihm. Die Art, in der sein Antlitz weggeschnitten und dafür das Ohr ins Blickfeld gerückt wird, trägt gewaltsame und zugleich surreale Züge. Dabei wird das Bild auch zu einer Reflexion über die Sinne: Das Motiv des Ohrs, die Hand, die in die Rosen greift und ihr denkbarer Duft treten der ausgelöschten Zügen der Physiognomie entgegen, die damit umso mehr auf das Gesicht des Betrachters verweist, der dem Bild gegenüber tritt.


Dazwischen führen Wege über die bühnenartigen Holzbohlen hinweg und erreichen eine Tiefe, die unter dem darüber angelegten Seestück hinwegzugleiten scheint und so die Gewissheit irritiert, welcher Bildraum als verbindlich betrachtet werden will. Klassen liebt es, dem Betrachter den Boden zu entziehen, indem er immer wieder die Ebenen kippen lässt. Die Malerei bleibt so in Bewegung auch wenn die Feuchtigkeit, in der die Tusche sich entfaltet hat, längst getrocknet ist.

 

Text: Dr. Holger Birkholz

 

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