
Eine Veranstaltungsreihe mit (Neu-)Produktionen von Berliner Künstler*innen
Der verlorene Vater
Samstag, 02.05.2026 um 19.30 Uhr in der AULA
Film als Installation von Thomas Martius u.a.

© Thomas Martius
Die dokumentarische Fiktion erzählt mit grell-bunten 8mm- Amateurfilmaufnahmen eine Familiengeschichte, die sich über die USA und Deutschland bis nach Ex-Jugoslawien ausbreitet. Das grobkörnige Filmmaterial wurde in den 1960er und 70er Jahren nur sparsam eingesetzt – ohne Autofokus und Mikrofon, in einer Ära vor Home-Video und Internet.
Thomas Martius installiert den dreiteiligen Film in der AULA, mit durchscheinenden Projektionen auf Gaze. Zusammen mit Avataren und einer Kinotherapeutin hilft er Selma, ihren Vater zu suchen – und vielleicht sich selbst zu finden.
Die Ausschnitte der vergangenen Wirklichkeiten aus drei unterschiedlichen Ländern zeigen überraschende Ähnlichkeiten: Hinter der Kamera standen meist die Väter als Regisseure des Familienlebens. Das sind sie heute nicht mehr.
2019: Premiere von „Der verlorene Vater“ als Live-Performance im Kino Babylon. Das 8mm-Material wird durch heutige Filmaufnahmen ergänzt: Alte Inszenierungen werden vergegenwärtigt und neuen Sichtweisen gegenüber gestellt. 2020 gibt es eine Wiederaufnahme des Filmischen Theaters im großen Kinosaal des Babylon.
2024 entwickelt Thomas Martius einige digitale Avatare, die ihn bei dem verzweifelten Versuch unterstützen, den Theaterabend in einen Film zu verwandeln. 2025 lädt das Festival „Unter dem Pflaster“ den ersten Teil der Arbeit in den Pavillon ein: „Der verlorene Vater“ findet erstmals ohne Live-Act statt.
Am 2. Mai 2026 installiert Thomas Martius alle drei Teile des neu entstandenen Films in der Aula vom Milchhof, mit durchscheinenden Projektionen auf Gaze.
Zum Inhalt:
SELMA, ein Kind der 90er aus New York, hat ein paar Probleme und begibt sich auf die Suche nach ihrer Herkunft und landet in Berlin. Mit Hilfe der Kinotherapeutin FRAU KATTEL deckt sie Familiengeheimnisse auf, von denen sie keine Ahnung hatte. „Das Schweigen frisst sich durch alle Schichten des Körpers bis in die nächste Generation.“ Hilfe bekommt sie auch von RICHARD SCHÖR, dem Rechercheur, und von ihrem Freund TONY, der Selma hinterher reist und Musik macht.
Per Video wird das Ensemble erweitert: STAN, der amerikanische Großvater führt nie gesehene 8mm-Aufnahmen aus dem Vietnamkrieg vor. Seine Ex-Frau EMMA aus Montana sorgt als ehemalige Mary Wigman-Schülerin für freiere Bewegung. Deren Sohn MIKE (Selmas Vater) bringt die 8mm-Aufnahmen, die ihn als Kind zeigen, in eine neue, kritische Perspektive. Seine Frau HANA, Selmas Mutter, ist 1993 aus Jugoslawien geflohen und lebt seitdem erfolgreich den amerikanischen Traum – den Selma hinterfragt. In Berlin trifft Selma auf HARTMUT, der Dresden 1945 noch hat brennen sehen. Hartmuts 8mm-Filme zeigen nicht nur die ZDF-Hitparade mit Bata Illic, sondern auch DDR-Panzer auf dem Alexanderplatz. DJULA, Hanas Cousine, führt Familienfilme aus Sarajevo und Mostar vor, und vor allem aus Banja Luka, dem Geburtsort von Hana.
Die dokumentarische Fiktion ist der komplexe Versuch einer Enttraumatisierung.
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Incorporating vivid, amateur 8mm film footage, the documentary fiction traces a family story that spans from the USA and Germany to the former Yugoslavia. The grainy Super 8 material was filmed sparingly in the 1960s and 70s—without autofocus and microphones, in an era before home video and the internet.
Thomas Martius installs the three-part film in the „Aula“ with translucent projections on gauze fabrics. He teams up with avatars and a cinema therapist to help Selma search for her father — and perhaps find herself.
