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divers

13.01. bis 20.01.2019
Regina Mielich, Mariel Poppe, Héctor Velázquez

 

 

Eröffnung:   Samstag, 12.01.2019   von 15 bis 18 Uhr

 

 


      Regina Mielich                                          Mariel Poppe                                      Héctor Velázquez

 

 

              Kunst ließe sich beschreiben als der Versuch, Ordnung zu schaffen in einer Welt von überwältigender Vielfalt. In jedem Augenblick strömen unzählige Reize auf uns ein, Wahrnehmungen, Sinneseindrücke, Aufforderungen, Zumutungen. Viel hängt davon ab, die angemessene Reaktion auf diese Ansprüche zu finden. Die Menschheit als Gattung ist im Laufe der Zeit ziemlich gut darin geworden, das Chaos der Wirklichkeit zu sortieren. Wir beobachten und analysieren, stellen Hypothesen auf und errichten Theoriegebäude. Daraus werden wiederum Systeme entwickelt, die zur Grundlage von persönlichen Entscheidungen, sozialen Verhaltensweisen und schließlich gesetzlichen Richtlinien werden.

Ästhetische Mittel benutzen die Menschen seit – sagen wir mal – 40.000 Jahren, um Ordnungen durchzusetzen. Und seit dieser Zeit setzen wir die gleichen Mittel ein, um diese Ordnungen wieder in Frage zu stellen, herauszufordern, zu verändern, zu differenzieren, gerechter, besser, angemessener zu gestalten. Gestaltung ist vielleicht genau dieses: Manifestation und Subversion von Ordnung gleichzeitig.

In dieser Weise lassen sich die drei künstlerischen Positionen verstehen. Sie reiben sich an Begriffen, die womöglich zu den ältesten systematischen Kategorien vieler Kulturen gehören: Körper und Geschlecht, Ähnlichkeit und Zugehörigkeit, Innen und Außen. Dies scheint zu den unhintergehbaren Gegebenheiten meiner Existenz zu gehören: Dass ich einen Körper habe, dass ich zu einer Familie, Gruppe oder Kultur gehöre, dass ich eine Frau bin oder ein Mann. Wo dieses System nicht durchsetzbar ist, haben wir es mit einem Fehler zu tun, mit einem Problem, das korrigiert werden muss – notfalls auch chirurgisch. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Aber ist nicht auch eine Welt denkbar, die ohne eine solche gewaltsame Anpassung der Wirklichkeit an die Ordnung auskommt? Können wir ohne eine Ordnung zusammenleben? Oder kann die Ordnung so fein differenziert werden, dass sie alle möglichen Varianten, die die Wirklichkeit der Systematik zumutet, abbilden kann?

Aktuelle politische Diskussionen zur Neuregelung der deutschen Verwaltungssprache in Bezug auf die zweigeschlechtliche Normierung liefert die kuratorische Folie der Ausstellung. „Divers“ könnte ein drittes Kästchen sein (oder eine dritte Toilettentür), das auf Formularen als eine Alternative zu den beiden herkömmlichen Möglichkeiten „Männlich“ oder „Weiblich“ ankreuzbar ist.

Mariel Poppe zeigt die körperliche Auseinandersetzung des Ringkampfes als ein Bild der Ordnungsherstellung: Divergierende Perspektiven kämpfen miteinander (oder lieben sie sich?). Dabei entstehen neue Formen, neue Blickwinkel, neue Körper. Die Ordnung bildet nicht nur die Wirklichkeit ab, die Ordnung erschafft auch immer wieder neue Wirklichkeiten.

Auf dieses reziproke Verhältnis von Imagination und Realisation weist auch Regine Mielich in ihren organischen Abstraktionen hin. Leiser Grusel und ästhetische Faszination binden hier die Betrachter*innen in ein Spiel von Anziehung und Abstoßung, erzeugen ein Flimmern zwischen Fetisch und Dystopie.

Das Organische als Motiv zeigt sich auch in den Arbeiten von Héctor Velázquez. Seine Objekte erscheinen wie bizarre Präparate aus medizinischen oder biologischen Laboren. Aber immer sind sie deutlich erkennbar aus textilen Werkstoffen hergestellt und machen damit die unentwirrbare Verflochtenheit von scheinbar naturgegebener Wirklichkeit und scheinbar kulturell konstruierter Ordnung sinnfällig.

Kunst schafft Ordnung, indem sie sie in Frage stellt. Wollen wir die Kategorien von Geschlecht und Körper bewahren oder überwinden, können wir sie feiner granulieren und anpassen (oder erschaffen wir damit nur umso perfidere Machtinstrumente)? Vielleicht können wir nicht ohne System leben. Aber wir können Sorge dafür tragen, dass es gestaltbar bleibt. Genau das tun die Künstler hier: Die Wirklichkeit als eine plastische Substanz betrachten.

 

Friedrich Weltzien

 

 

 

 

 

© Regina Mielich                                            Monade | 2018, Stahl, geschweißt, Höhe ohne Sockel 71 cm

 

 

© Mariel Poppe                                                   Struggle | 2018, Wandzeichnung, Edding, Größe variabel

 

 

© Héctor Velázquez                                 Cabina 13 | 2002, Polyesterharz und Baumwolle, 25 x 35 x 64 cm

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Héctor Velázquez

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Mariel Poppe

 

 

© Héctor Velázquez

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