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Januar - Februar 2013

 

© Carlos Silva

 


Die Projektion der Hoffnung in dem Nichts

 

Der Pavillon am Milchhof hat sein Gesicht verändert. Schwarz und unantastbar steht er an gleicher Stelle und scheint doch seine Position verändert zu haben.

 

 

Auch in diesem Jahr wird der bekannte Ausstellungsraum der Ateliergemeinschaft von einer neugewählten Kommission geleitet. Die Grund­intention der Kommission für das Pavillonjahr 2013 ist eine Vertiefung und Erweiterung von Vernetzung und Kooperation. Über das bloße Ausstellen von Kunst hinaus soll das Arbeiten im und mit dem Pavillon am Milchhof zu einem regen Austausch über die Arbeits- und Lebensbedingungen und die Möglichkeiten von Kunst und Kulturschaffenden nicht nur aus Berlin führen. Was wäre also besser, als diese Absicht mit einer Gruppenarbeit der Pavillonkommission, die am Beginn des Jahres steht, zu unterstreichen ?

 

Vorzufinden ist ein offener Pavillon gehüllt in tiefes Schwarz. Überstrichen all die Cremigkeit ! Wie ein Monolith, der es ernst meint, steht er am Eingang zum Ateliergelände und zeigt harte Kanten und Konturen. Der um so weißere Innenraum leuchtet, als wolle er sich aus der Umklammerung befreien. Beide Seiten des Gebäudes gewinnen durch die stärkere Differenzierung an Gewicht. Das Innen behauptet sich als Raum. Die schwarze Haut verschluckt das Licht, zieht Konzentration auf sich und trennt sich von der Umgebung. Im Inneren eine Stuhlreihe, die auf Besetzung wartet. Weiß ausgeleuchtet, mit weit geöffnetem Tor, könnte die Situation einladend gemeint sein. Deutlich ist der Druck der Leere zu spüren. Ein Nummernziehkasten, altargleich an der Stirnwand installiert, verweist wohl auf die Funktion des Raums, besser noch auf das, was meine Aufgabe hier ist. Mit dem Abreißen der Wartenummer hab ich den Pakt unterschrieben. Bevor ich mich setze, erspüre ich das Kleingeld in meiner Jackentasche. Leider kann ich mich nicht erinnern, wann, und ob überhaupt der Fährmann, der mich hier abholen soll, zu bezahlen ist. Höre ich Chris de Burgh ? Die über dem Nummernaltar angebrachte Uhr zeigt schon lange fünf nach Zwölf. Irgendwer ist hier zu spät ...

 

Mit wenigen Mitteln wird hier das Warten nahezu ganzheitlich spürbar. Aus Kunstraum wird Wartesaal. Er steht im krassen Gegensatz zum direkten Umfeld. Hier wird nicht mehr gewartet, hier wird geklotzt. Die neue Fassadenkultur heuchelt den Insassen lichte Freiheit vor. Immer größer werden die Schaufenster und dazugehörige Wohnwelten, immer größer auch wird die Partizipation der Bewohner am Außen. Die Passanten werden belästigt. Anders jetzt im Pavillon. Die bauliche Transparenz des Pavillons am Milchhof wird Beklemmung. Warten ist immer einsam.

 

 

Die Pavillongruppe hat diese Installation mit Hilfe vom Jobcenter vermittelter Arbeiter verwirklicht. An mehreren Tagen haben sie so sprichwörtlich an der Verbildlichung ihrer eigenen Situation gearbeitet. Wartende sind auch immer abhängig. Abhängig vom Beenden. Wie ein Licht am Ende des Tunnels wirkt dann der Satz eines dieser Arbeiter; "Wenn ich 'nen Job am Großflughafen hätte, bräuchte ich mir die nächsten Jahre keine Sorgen machen."

 

Aber wer weiß schon, ob das Licht nicht vom Anfang her scheint? Warten macht auch immer unsicher.

 

Bleibt also zu hoffen, dass der Milchhof weiterhin als so vitaler Ort mitten im Umbruchgebiet Bestand hat. Der Pavillon scheint dazu ein probates Mittel, Austausch und Entwicklung großartiger Arbeiten und Arbeiter zu fördern.

 

 

Ich sitze noch auf dem Stuhl. Wende mich abwechselnd der Wartenummer und der Uhr zu. Warten macht auch immer nachdenklich. Vielleicht bleib ich noch eine Weile ...

 

Chris singt immer noch.

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